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XBOX Game Studios verlieren erfahrene Entwickler

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Xbox Game Studios

Tausende Stellen fallen weg, während Beschäftigte bei Bethesda, id Software und ZeniMax Online Studios vor langfristigen Folgen für Spiele und Technik warnen.

Die XBOX Massenentlassungen sorgen innerhalb mehrerer Studios für große Unsicherheit. Nach Angaben aus dem vorliegenden Bericht will Microsoft bis zum Ende des aktuellen Geschäftsjahres insgesamt 3.200 Stellen im XBOX Bereich abbauen. Davon sollen 1.600 Arbeitsplätze unmittelbar entfallen, während weitere 1.600 Stellen zu einem späteren Zeitpunkt gestrichen werden sollen.

Betroffen sind unter anderem Beschäftigte bei Bethesda, ZeniMax Online Studios und id Software. Mehrere anonyme Quellen beschreiben die Entscheidungen als schwer nachvollziehbar und langfristig schädlich. Aus ihrer Sicht verliert XBOX nicht nur Personal, sondern auch jahrzehntelang aufgebautes Wissen über interne Technik, Produktionsabläufe und bestehende Spielereihen.

Besonders kritisch bewerten die Betroffenen die Kommunikation während der Entlassungen. Laut ihren Aussagen wurden Beschäftigte in kurze Videokonferenzen eingeladen, in denen ihnen die Streichung ihrer Stelle mitgeteilt wurde. Möglichkeiten für Rückfragen oder persönliche Gespräche soll es während dieser Termine nicht gegeben haben.

Kurze Videokonferenzen und gesperrte Zugänge

Bei id Software soll eine Videokonferenz, in der umfangreiche Stellenstreichungen bekannt gegeben wurden, weniger als eine Minute gedauert haben. Dem Bericht zufolge verloren 136 Beschäftigte am Standort in Texas ihre Arbeitsplätze. Die Einladung zu dem Termin soll teilweise erst ungefähr zehn Minuten vor Beginn verschickt worden sein.

Einige Beschäftigte seien so spät darüber informiert worden, dass sie ihren Weg ins Büro bereits angetreten hatten. Andere hätten die kurzfristig angesetzte Videokonferenz gar nicht mehr erreicht. Während der Besprechung seien Chat und Mikrofone deaktiviert gewesen. In einem geschilderten Fall seien zusätzlich die Kameras automatisch ausgeschaltet worden.

Innerhalb von 48 Stunden verloren Betroffene laut dem Bericht außerdem den Zugriff auf Slack und interne E-Mail Konten. Dadurch konnten sie wichtige Informationen nur noch über inoffizielle Kanäle austauschen. Dazu gehörten teilweise Gruppen, die von Gewerkschaftsmitgliedern und Organisatoren betreut wurden.

Zusätzliche Verwirrung entstand offenbar durch die Anweisung, sich bei offenen Fragen an eine interne Adresse zu wenden. Diese Adresse war laut den Quellen jedoch nur über bereits gesperrte Unternehmenskonten erreichbar. Beschäftigte kritisieren deshalb, dass Microsoft die Verantwortung für die weitere Kommunikation teilweise an Gewerkschaften weitergegeben habe.

Mehrere Quellen geben außerdem an, dass selbst Gewerkschaftsvertreter vorab nicht ausreichend über die geplanten Kürzungen informiert worden seien. Bereits nach einem Medienbericht im Juni habe es intern Sorgen über eine weitere Umstrukturierung gegeben. Konkrete Antworten seien jedoch ausgeblieben.

Die anhaltende Unsicherheit belastete nach Aussagen der Beschäftigten ganze Teams. Viele hätten über Wochen nicht gewusst, ob ihre Stellen betroffen sein würden. Auch Führungskräfte hätten entweder keine Informationen gehabt oder diese nicht weitergegeben.

id Software verliert Spezialisten und Erfahrung

Besonders schwerwiegend könnten die Folgen bei id Software ausfallen. Das Studio erklärte öffentlich, weiterhin über genügend Beschäftigte zu verfügen, um die bekannten Spiele und Technologien entwickeln zu können. Eine entlassene Person aus dem Studio widerspricht dieser Darstellung jedoch deutlich.

Nach dieser Schilderung wurde ein großer Teil des Teams entlassen, das an der Erweiterung Revelations für Doom: The Dark Ages gearbeitet hatte. Auch zahlreiche Beschäftigte, die für die Pflege und Weiterentwicklung von id Tech zuständig waren, sollen ihren Arbeitsplatz verloren haben.

id Tech ist die hauseigene Technologie von id Software. Eine abgewandelte Version kam laut Bericht auch bei MachineGames zum Einsatz. Der Verlust erfahrener Beschäftigter könnte deshalb nicht nur einzelne Projekte, sondern auch die technische Grundlage zukünftiger Produktionen betreffen.

Eine Quelle erklärt, dass wichtige Spezialisten für Wartung, Anpassung und Weiterentwicklung der Technik nicht mehr im Unternehmen seien. Das institutionelle Wissen rund um id Tech sei dadurch erheblich reduziert worden. Aus ihrer Sicht sei kaum vorstellbar, wie ein weiteres Spiel unter denselben technischen Bedingungen entstehen könne.

Auch die Abteilungen für visuelle Effekte sowie technische Gestaltung sollen stark verkleinert worden sein. Laut der Quelle wurden fünf Mitglieder des Teams für visuelle Effekte entlassen, darunter die Leitung. In einem weiteren Bereich sei nur noch die leitende Person übrig geblieben.

Besonders deutlich seien die Einschnitte im Team für künstliche Intelligenz und Spielmechanik. Nach Aussage einer Quelle könnten dort ungefähr 90 Prozent der zuständigen Beschäftigten betroffen sein. Außerdem soll ein langjähriger Mitarbeiter entlassen worden sein, der bereits seit der frühen Zeit von John Carmack und John Romero bei id Software tätig war.

XBOX widersprach allerdings einer Darstellung, nach der das Team hinter id Tech in Texas auf eine einzige Person reduziert worden sei. In einer Stellungnahme hieß es, dass weiterhin mehrere Dutzend Beschäftigte an verschiedenen Standorten an id Tech arbeiten würden.

Damit bleibt die genaue personelle Situation teilweise umstritten. Dennoch zeigen die Aussagen aus dem Studio, dass der Abbau tief in spezialisierte Bereiche reicht. Gerade bei eigener Technik kann der Verlust erfahrener Mitarbeiter erhebliche Folgen haben, da Wissen über interne Werkzeuge und Abläufe nicht kurzfristig ersetzt werden kann.

Auch die zeitliche Nähe zur Veröffentlichung der Erweiterung für DOOM: The Dark Ages stößt auf Kritik. Die Stellenstreichungen wurden laut Bericht einen Tag vor dem Start der Erweiterung vorgenommen. Eine Quelle bemängelt, dass Microsoft nicht abgewartet habe, wie erfolgreich das neue Produkt sein würde.

Bethesda hatte Doom: The Dark Ages zuvor als größten Start in der Geschichte von id Software bezeichnet. Das Spiel erreichte laut dem vorliegenden Text mehr als drei Millionen Spieler. Trotzdem folgten später umfangreiche Entlassungen innerhalb des Studios.

Für die betroffenen Beschäftigten entsteht dadurch der Eindruck, dass selbst ein erfolgreich veröffentlichtes Spiel keine Sicherheit bietet. Gleichzeitig sei intern nicht klar vermittelt worden, nach welchen Maßstäben Microsoft den Erfolg des Titels bewertet habe. Dazu gehören beispielsweise Verkäufe und die Bedeutung des Spiels für den XBOX Game Pass.

DOOM: The Dark Ages

ZeniMax Online Studios warnt vor langfristigen Folgen

Auch bei ZeniMax Online Studios berichten Quellen von erheblichen Einschnitten. Besonders viele Beschäftigte, die Inhalte direkt in das Spiel integrieren, sollen ihre Stellen verloren haben. Viele von ihnen seien Mitglieder einer Gewerkschaft gewesen.

Die verbleibenden Mitarbeiter sollen nun mehrere Aufgabenbereiche gleichzeitig übernehmen. Aus Sicht einer Quelle passt dieses Modell nicht zur Entwicklung großer Spiele. Umfangreiche Produktionen seien stark von spezialisierten Teams abhängig, deren Arbeit eng miteinander verbunden ist.

Der Bericht vergleicht diese Struktur mit einem breiten Stoff, aus dem zahlreiche Fäden entfernt werden. Wenn ein großer Teil der direkt an der Umsetzung beteiligten Mitarbeiter fehlt, könne das bisherige Niveau an Inhalten nicht erhalten bleiben. Die übrigen Teams müssten zusätzliche Aufgaben übernehmen, obwohl ihnen dafür teilweise Erfahrung und Zeit fehlen.

Externe Auftragnehmer könnten dieses Problem nach Einschätzung der Quelle nicht vollständig lösen. ZeniMax Online Studios arbeitet demnach mit einer eigenen internen Technik. Neue Beschäftigte benötigten ungefähr sechs Monate, um sich mit deren Besonderheiten vertraut zu machen und ihre Aufgaben selbstständig auszuführen.

Auch die wirtschaftliche Begründung der Kürzungen ist für einige Mitarbeiter schwer nachvollziehbar. Beschäftigte von The Elder Scrolls Online hätten zuvor den Eindruck erhalten, dass das Projekt seine Kosten decke. Nach dem Wechsel von einem Erweiterungsmodell zu einem Saisonpass seien intern positive Entwicklungen bei wichtigen Kennzahlen kommuniziert worden.

Trotzdem wurden Stellen gestrichen. Eine offizielle Meldung nach dem amerikanischen WARN Verfahren nennt laut dem Bericht 213 Entlassungen am Standort von ZeniMax Online Studios in Maryland. Weitere 116 Stellen entfielen bei ZeniMax Media im Montgomery County.

Für die verbleibenden Mitarbeiter bedeutet der angekündigte weitere Stellenabbau zusätzliche Unsicherheit. Nachdem zunächst 1.600 Stellen entfallen, sollen bis zum Ende des Geschäftsjahres weitere 1.600 Arbeitsplätze gestrichen werden. Dadurch bleibt offen, welche Studios und Abteilungen noch betroffen sein könnten.

Eine Person aus dem Bethesda Umfeld erklärt, dass sich Beschäftigte unter diesen Bedingungen kaum sicher fühlen könnten. Selbst nach Abschluss der angekündigten Maßnahmen bleibe die Sorge bestehen, dass später weitere Kürzungen folgen.

Diese Unsicherheit kann sich unmittelbar auf die tägliche Arbeit auswirken. Beschäftigte müssen Projekte fortsetzen, während zugleich unklar bleibt, wie lange ihre Teams in der aktuellen Form bestehen. Langfristige Planungen werden dadurch schwieriger.

Der Bericht zeichnet insgesamt das Bild eines Unternehmens, dessen strategische Ziele für viele Beschäftigte nicht klar erkennbar sind. XBOX möchte sich laut den wiedergegebenen Aussagen stärker auf große Marken wie Fallout und The Elder Scrolls konzentrieren. Gleichzeitig verlieren genau jene Studios Personal, die an diesen Marken und den dafür notwendigen Technologien arbeiten.

Mehrere Quellen sehen darin einen grundlegenden Widerspruch. Der Verlust von Erfahrung könne die Entwicklung zukünftiger Spiele verlangsamen und die Belastung der verbleibenden Teams erhöhen. Besonders problematisch sei, dass ein großer Teil dieses Wissens an einzelne Personen gebunden ist und nicht einfach dokumentiert oder ersetzt werden kann.

ZeniMax Online

 

Quelle: gamedeveloper.com
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