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Twin Mirror: Psychologischer Thriller für Xbox im Test

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Twin Mirror

Seit 1. Dezember ist mit Twin Mirror ein neues Spiel von Dontnod, den Meistern der narrativen Games und Schöpfern der beliebten Life is Strange Reihe, erschienen. Dank eines Reviewcodes von Dontnod konnten wir Twin Mirror testen und berichten hier von unseren Eindrücken.

Bei der Installation fällt auf, dass Dontnod von der üblichen Veröffentlichung in Episoden Abstand genommen hat. Ihr erhalten sofort die gesamte Geschichte von Twin Mirror und seinem Hauptprotagonisten Samuel Higgs, anders als noch bei Life is Strange, das in Teilen veröffentlicht wurde. Mir gefällt das, denn in großer Erwartung an dieses Game könnte ich wohl kaum warten, bis weitere Episoden erscheinen würden.  Das fiel mir schon bei Life is Strange sehr schwer.

Ihr startet den Psycho-Thriller mit der Fahrt von Sam in seine Heimatstadt Basswood, West Virginia. Dort ist überraschend der Jugendfreund von Sam verstorben. Obwohl Sam nicht mehr in seine Heimatstadt zurückwollte und alle Kontakte abgebrochen hatte, sieht er sich doch verpflichtet an der Beerdigung teilzuhaben. Allerdings spürt man, dass die Rückkehr auch eine Konfrontation mit seiner Vergangenheit und eventueller Konflikte verbunden sein wird. Dieses Gefühl springt einem förmlich ins Gesicht. Wie üblich in narrativen Adventures, steuert man auch hier Sam aus der Third Person Sicht und trifft Entscheidungen durch die Auswahl der entsprechenden Optionen und Buttons. In meinem ersten Playthrough dauertes auch nicht lange, bis die Vergangenheit mich einholte. So entschied ich mich, der Beerdigung von Nick, meinem besten Freund erstmal fern zu bleiben und die Reise in die Vergangenheit an einer Aussichtplattform über der Stadt Basswood in meinem Erinnerungen zu beginnen. Und genau hier beginnt das bzw. ist das Highlight des Spiels.

Die audio- und insbesondere visuelle Umsetzung der Erinnerungen und im Folgenden auch der herausragenden analytischen Fähigkeiten von Sam gefallen außerordentlich gut.
Die „Gedankenpalast“ oder auf Englisch „Mind Palace“ genannte Fähigkeit von Sam, ist der Schwerpunkt des Gameplay. Es ist der Rückzugsort, an dem Sam er selbst sein kann, ohne sich Druck oder Verurteilung auszusetzen. So ist man in der Lage die Vergangenheit und seine Erinnerungen durch Flashback-Sequenzen zu erleben. Der „Gedankenpalast“ spielt dank Sams Fähigkeit, seine Umwelt zu beobachten, auch eine zentrale Rolle bei seiner Suche nach der Wahrheit. Er kann Informationen sammeln und verschiedene Szenarien simulieren, um Rückschlüsse auf den Verlauf vergangener Ereignisse zu ziehen oder Schlüsselmomente der Geschichte vorherzusagen.

Twin Mirror

Doch erstmal weiter in der Story aus meinem ersten Playthrough.

Nachdem ich die Beerdigung versäumt hatte, schaffte ich es noch zum Leichenschmaus. Die Tochter des Verstorbenen, Joan, liebe voll „Bug“ genannt, konfrontiert mich als erstes. Weshalb ich vor zwei Jahren die Stadt verlassen habe und sie immer nur angelogen wird. Und bereits hier bekommt man eine Idee davon, dass der Tod kein Unfall gewesen sein könnte. In der Bar des Leichenschmauses ist dann die geballte Vergangenheit anwesend, von der Ex-Freundin, die meinen Heiratsantrag ablehnte bis hin zu den Minenarbeitern, die allesamt ihren Job aufgrund MEINES investigativen Zeitungsartikels über Missstände in der Mine, die daraufhin schließen musste, verloren hatten. Nach zu vielen Bier und einem Filmriss werde ich dann am nächsten Morgen tief in die vergangenen und aktuellen Ereignisse reingezogen. Ich wache in meinem Hotelzimmer auf und finde mein blutverschmiertes Hemd. Was folgt ist eine Panikattacke. Jetzt kommt auch Sams „Twin“, sein zweites Ich richtig in Fahrt. Sam ist der analytische, logische und empathielose Investigativ-Journalist. Doch in ihm gibt es einen sozialen Zwilling voller Empathie, mit dem Sam regelmäßig spricht. Sam kann sich immer auf sein „Double“ verlassen und er hat sich so schon oft geholfen und eben auch in dieser Panikattacke, die audiovisuell sehr gut inszeniert ist und in seinem Gedankenpalast spielt.

Grade so überstanden muss ich natürlich rausfinden, was letzte Nacht passiert war und begebe mich erneut in die Bar. Kurze Anmerkung an dieser Stelle, da ich das sehr feiere. Bandai Namco ist für die Veröffentlich und auf der Konsole zuständig. Und so gibt’s ein nettes Feature, dass ihr in der Bar PAC Man spielen könnt. Ja, den Klassiker an einem Arcade Cabinet.

In der Bar kommt nun das erste Mal die analytischen Fähigkeiten im Gedankenpalast voll zum Tragen. Ihr sammelt und untersucht Hinweise, wie umgefallene Tische, heruntergefallene Uhren und zerbrochene Gläser, wenn ihr ausreichend zusammen habt, begibt ihr euch in den Gedankenpalast mit drücken der entsprechenden Taste. Im Gedankenpalast könnte ihr nun durch aktivieren der möglichen Abläufe an den Fundstellen der Hinweise den richtigen Vorgang rekonstruieren. Dabei seht ihr laufend simuliert, wie dieser mit den ausgewählten Optionen abläuft. Hammer genial, wie ich finde. In diesem Beispiel: Start an der Bar, Schlägerei startet und ihr könnte nun auswählen, ob der Getroffene Richtung Säule mit der Uhr oder Richtung Ausgang fällt und so Schritt für Schritt bis zum Ende der Hinweise den Ablauf zusammenstellen. Natürlich gibt es nur eine korrekte Lösung auf Basis der Hinweise. Hier ist also Kombinationsgabe und detektivisches Gespür gefragt.

An dieser Stelle hat mich das Game nun richtig gepackt. Ich will unbedingt rausfinden was passiert war und quasi nebenbei, was ich, also Sam in der Stadt erlebt hat und letztendlich ihn auch vertrieben hat. Die Story an dieser Stelle weitererzählen würde zu sehr spoilern.
Neben den Crime-Elementen kommen auch die zwischenmenschlichen Beziehungen nicht zu kurz. Ihr könnt mit allen Bewohnern sprechen und ihr erfahrt so, wie sie euch sehen oder vielleicht nur vom Hörensagen kennen und einschätzen. Im weiteren Verlauf klärt ihr weitere Vorgänge wie den Unfallhergang auf oder beschafft weitere Zeugen bzw. deren Aussagen. Aber auch euer Double, also der empathische Sam, ist immer mit von der Partie und hilft und berät Sam in den zwischenmenschlichen Beziehungsfragen oder hilft euch durch paranoide Phasen. Auf den Handlungskern hat man mit den Entscheidungen, also ob man seinem sozialen oder seinem analytischen ICH folgt, kaum Einfluss. Ich überlege immer wieder lange, in welche Richtung ich gehen will. Ein Glück, dass es keinen Zeitdruck bei den Entscheidungen gibt. Natürlich könnt ihr auch spontan und intuitiv antworten. Auf den Verlauf und insbesondere auf das Ende haben Eure Entscheidungen allerdings schon Einfluss. So reicht die Bandbreite von einem dramatischen, sehr traurigen Ende bis zu einem glücklichen, gut verlaufenen Ende.

Es gibt auch einiges zu entdecken, wie alte Zeitungsartikel, die dem einen oder anderen Charakter noch mehr Tiefe geben. Was mir zudem gut gefällt, sind die wenigen Rätsel welche Dontnod nutzt um mehr Authentizität in die Story zu bringen. Die Rätsel sind nicht sonderlich schwer, passen insgesamt aber gut ins Setting, wenn man z.B. Zahlencodes rausfinden muss oder versteckte Schlüssel finden soll.

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Mein Fazit zu Twin Mirror

Mit 5-6 h Spielzeit schafft es Dontnod ein spannendes Crime Adventure Setting abzuliefern. Die Story ist packend und interessant, die Gedankenpalast Fähigkeit passt hervorragend zum Charakter des Hauptprotagonisten Sam. Wenn auch die zwischenmenschlichen Beziehungen und mein Double stark die soziale und emotionale Seite des Games in den Vordergrund bringen, so schafft es das bei mir nur selten, da mir der detektiven Seite von Sam noch authentischer erscheint. Ich sehe Twin Mirror als Thriller und das ist vollkommen ok. Die Gefahr besteht, dass man von Twin Mirror etwas ähnliches wie Life is Strange oder Tell me Why erwartet und das ist es meiner Meinung nach nicht. Es gibt einen hohen Wiederspielwert, da man mehrere Enden erleben kann. Wenn man so wie ich, ein sehr trauriges Ende beim ersten Mal schafft, will man umso mehr seine Entscheidungen überdenken und zu einem positiveren Ende kommen.

Ich spielte auf der Xbox Series X. Es lief dort technisch zumeist sauber hatte an der ein oder anderen Stelle Framerate Einbrüche, was aber bei dieser Art des Gameplay hinnehmbare Auswirkungen hat und mit einem Patch sicher behebbar ist. Die Steuerung war gewohnt einfach zu meistern. Bedauerlich finde ich, dass es lediglich eine Englische Tonspur mit deutschen Untertitel gibt.

Seit 1.12. ist Twin Mirror für Xbox One, Xbox Series S|X, PS4, PS5 und Windows (im ersten Jahr exklusive im Epic Store) erhältlich.

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