Assetto Corsa

505 Games und Kunos Simulazioni versprechen mit Assetto Corsa die Rennsimulation auf der Konsole. Wie gut das Spiel wirklich ist, verraten wir euch in diesem Test.

Seit 2014 dürfen PC Spieler die Rennsimulation von Kunos Simulazioni ausgiebig spielen. 505 Games nahm sich vor gut einem Jahr, der Portierung auf die aktuellen Konsolen, Xbox One und PlayStation 4 an und man versprach, dass das Erlebnis auf allen Plattformen dasselbe sein wird. Für viele Rennspielfreunde ging damit ein Herz auf – ein waschechter Racer auch auf den Konsolen.

Nach einem schicken Intro präsentiert man uns gleich das Hauptmenü von Assetto Cora, welches schlicht und einfach daherkommt. Nur leider hat man bei der Farbauswahl kein glückliches Händchen gehabt, denn rote Kachel bei einem roten Ferrari Kotflügel passen nicht ganz so gut zusammen. Auch bei der der Menüführung hätte man noch etwas nachbessern können, denn oft ist nicht ganz klar zu erkennen, wo man sich gerade befindet, gerade, wenn man nicht so viele Einstellungsmöglichkeiten vorfindet.

Assetto Corsa

Was uns leider als erstes negativ als Lenkradfahrer auf der Xbox One auffällt – ob man als Spieler nun mit Gamepad oder Wheel fährt wird vom Spiel nicht automatisch erkannt. Auch lassen sich die Tasten am Gamepad oder Wheel nicht frei belegen. Man hat hier nur die Auswahl aus drei vorgegeben Einstellungen, die man wählen kann.

Auch die Empfindlichkeit Einstellung, vor allem bei der Gamepad Steuerung, bleibt im überschaubaren Rahmen und bewegt sich nur im Bereich, welche man als Lenkradfahrer einstellen kann. Das bekommen andere Spiele besser hin. Löblich ist aber das sich das Field of View einstellen lässt, wenn auch nur in einem geringen Bereich von 50 – 60 Grad. Schade aber das es nicht mehr Einstellungen gibt.

Hat man sich durch die ersten Einstellungen gekämpft, erwarten uns im Hauptmenü drei verschiedene Spielmodi. Als erstes seien die „Spezial Events“ genannt, wo viele verschiedene vorgegebene Events bestritten werden können (Schnelle Runde, Drift und Zeitfahren) und man mit deren Abschluss, je nach erreichter Punktzahl, Medaillen bekommt. Leider gibt es dort keine Leaderboard Funktion, wo man sich mit anderen Xbox Usern und seinen Freunden vergleichen kann.

Assetto Corsa Goldstatus

Danach kommt der Punkt Fahren, welcher zahlreiche Modi bietet. So könnt Ihr zwischen „Freies Training“, einem schnellen Rennen, einem kompletten Rennwochenende, dem Onlinemodus, eine schnelle Runde, dem Zeitfahren und dem Drift Modus wählen.

Als Dritter Punkt im Hauptmenü bekommt Ihr dann die Karriere zur Auswahl. Diese bietet euch viele Stufen, wobei sich jede Stufe aus verschiedenen Rennen und Zeitfahrmodi zusammensetzt und Ihr Gold, Silber oder Bronze Medaillen gewinnen könnt.

In jeder Karrierestufe wird dabei eine bestimmte Anzahl an Medaillen verlangt um die nächste Karrierestufe freizuschalten. Der Karriere Modus kommt dabei ohne viel Schnörkel aus, so dass Ihr euch auf das reine Fahren auf der Rennstrecke konzentrieren könnt.

Assetto Corsa

Kommen wir somit zum eigentlichen Erlebnis von Assetto Corsa – dem Fahren auf der Rennstrecke. Zur Auswahl stehen euch dabei 102 Fahrzeuge von 21 verschiedenen Automarken und bewegen dürfen wir die Autos in 11 Locations mit 26 Varianten.
Hier würde man sich die ein oder andere Strecke aus Übersee wünschen, denn die meisten Strecken im Spiel liegen hier in Europa. Alle Strecken in Assetto Corsa sind Lasergescannt. Sehr lobenswert!

Hat man sich dann für ein Fahrzeug mit der jeweiligen Lackierung und seiner Strecke entschieden, gelangt man in die Optionen zum Fahren, wie Gegnerstufen (Einfach, Mittel, Schwer, Außerirdisch). Daneben haben wir dann die Möglichkeit bis zu 15 KI Gegner uns an die Seite zu stellen und ob diese dasselbe Fahrzeug nutzen sollen oder eines aus der jeweiligen Klasse.

Weiter geht’s dann an die Möglichkeit der Trainings- und Qualifikationsminuten. Hier könnt Ihr von 5 – 45 Minuten frei wählen. Bei den Rennrunden könnt Ihr dann maximal 100 Runden absolvieren, die Ihr dann in einer bestimmten Tageszeit, Temperatur und Wetter, sowie Zeitenmultiplikator von 1x – 4x abspulen könnt. Strafen für das Rennen könnt Ihr hier natürlich auch festlegen.

Vor dem Start legen wir dann noch unsere Fahrhilfen fest, sowie, ob wir mit Reifenverschleiß und Schaden ins Rennen gehen möchten.

Assetto Corsa

Dann heißt es erst einmal Kaffee holen gehen, denn das Laden einer Strecke, inkl. der Fahrzeuge dauert leider doch relativ lange. Wer keinen Kaffee trinkt, der bekommt in der Zeit tolle Bilder vom gewählten Fahrzeug und der Strecke eingeblendet.

Nun können wir dann aber fast loslegen. Doch vorab passen wir natürlich noch das Setup unseres Autos, unseren Bedürfnissen an. So variieren wir mit dem Tankinhalt bis hin zur Einstellung des Stabilisators.

Nachteil hierbei, wie wir es auch schon zum Hauptmenü beschrieben haben – man erkennt nicht gleich auf den ersten Blick, wo und was man gerade verstellt oder man nicht verstellen kann. Die Benutzerfreundlichkeit lässt da doch zu wünschen übrig.

Assetto Corsa

Positiv ist aber, dass wir das nicht immer wieder machen müssen, denn wir können unser Setup abspeichern und bei Bedarf später wieder abrufen. Nach dem wir unser Setup festgelegt haben – oder wir verwenden einfach nur das Standardsetup (was gar nicht mal so schlecht ist) –  geht es dann ans Fahren.

Da kommt dann aber bereits die erste Ernüchterung. Während die Cockpits und die Modelle der Fahrzeuge noch einen guten Eindruck hinterlassen haben, sehen die Strecken und Umgebungsgrafiken teilweise nach einem Titel aus dem Jahre 2006 aus. Das muss im Jahre 2016 natürlich nicht mehr so sein!

Doch damit nicht genug. Wir fragen uns: „Wo ist meine Reifentemperatur- und Reifenverschleiss-Anzeige?“. Im HUD wird uns nur die Rundenzeit, Streckenlayoutgrafik, sowie der Tachometer mit Ganganzeige eingeblendet. Hat sich der Rest vielleicht in den Optionen versteckt? Nein, leider nicht! Auch in den modernen Rennwagen kann man das MoTech Display nicht durchschalten.

Ein Spiel, was sich Rennsimulation nennt, sollte man erwarten können, dass man Temperaturwerte für die Bremsen angezeigt bekommt. Leider ist das bei Assetto Corsa nicht der Fall.

Was fahren auf der Strecke dann sofort als nächstes negativ auffällt, sind die Framerate-Einbrüche bei zunehmender KI Anzahl. Da sinkt die FPS Zahl leicht und locker in den 30er Bereich. Versprochen sind uns ja eigentlich 60 Frames pro Sekunde.

Assetto Corsa

Das Bild trügt leider nicht, denn auch bei Testfahrten oder Zeitfahren, wo wir alleine auf der Rennstrecke unterwegs sind, kommt es zu minimalen bis starken Framerate Einbrüchen. Kombiniert mit dem Sound, der sich ab und ein seine Auszeit nimmt, gibt das Spiel hier kein gutes Bild ab.

Wo wir dann schon einmal bei Sound sind. In Assetto Corsa haben wir Fahrzeuge mit richtig guten Sound, wo sich aber dann auch gleich Autos einreihen, die einfach nur künstlich daher blubbern. Selbst das Quietschen der Reifen oder ein Ausritt ins Grüne klingt hier im Spiel alles andere als natürlich! Vom fehlenden Umgebungssound mal ganz zu schweigen, denn so etwas gibt es nicht.

Bei dem ganzen negativen Dingen, gibt es aber auch zwei Punkte, wo Assetto Corsa hervorsticht. Das wäre zum einem die tolle Fahrphysik der Fahrzeuge. Da bleibt es gerade bei den Rennfahrern mit Gamepad schwierig, sein Auto auf der Strecke zu halten. Da hilft fast nur noch das Einschalten der Fahrhilfen, um es ins Ziel zu schaffen.

Auch die KI in Assetto Corsa fordert uns so kräftig heraus. Da ist es selbst auf der Schwierigkeitsstufe Einfach, alles andere als einfach, an die Spitze des Fahrerfeldes zu fahren.

Assetto Corsa

Wer mit dem Lenkrad in Assetto Corsa auf Xbox One unterwegs ist – wir haben das Spiel mit dem Thrustmaster TX-Wheel getestet – wird vom Force Feedback enttäuscht sein. Geben die Curbs noch gutes Feedback ans Lenkrad weiter, beschränkt sich das weitere Force Feedback nur noch auf das zentrieren euren Lenkrades – je nachdem wie stark Ihr hier das FFB eingestellt habt.

Das richtige Feeling für das Auto wird so leider nicht vermittelt. Man kann nur hoffen das da noch etwas gepatcht wird – dann wäre es mit der Fahrphysik, der fordernden KI und den Laservermessenen Strecken eine runde Sache und man würde über den mangelnden Sound und der tristen Darstellung der Streckenumgebung, hinwegsehen.

Aber was wäre ein Rennspiel ohne Multiplayer – doch nur ein halbes Spiel! Assetto Corsa bietet hier natürlich auch einen, nur fehlen hier die Einstellungen für private Spielsitzungen, um sich mit Freunden auf Xbox One messen zu können.

Assetto Corsa

Nein, in Assetto Corsa gibt es leider nur öffentliche Server, wo man Freunde mit einladen kann mitzufahren. Leider sind dort aber viele Spieler unterwegs, die wohl nicht wussten, was Sie da für ein Spiel gekauft haben. Die Autos haben wir ja teilweise kaum unter Kontrolle, dann könnt Ihr euch ja vorstellen, wie das bei den meisten Spielern auf einem öffentlichen Server aussieht. Auf ein vernünftiges Rennen brauchen wir da nicht zu hoffen.

Was aber weiter sauer in den Multiplayer Lobbys aufstößt, ist die Wahl des Fahrzeuges und Lackierung. Nur als Beispiel – in der GT3 Klasse gibt es zahlreiche Fahrzeuge, wie den Mercedes AMG GT3 oder auch den BMW Z4. Nur leider sind nicht alle GT3 Fahrzeuge in einer Lobby zugelassen. Auch gibt es bezüglich der Anzahl der jeweiligen Fahrzeuge eine Beschränkung.

Wenn man Pech hat, ist ein BMW Z4 bereits schon zweimal in der Lobby vertreten und man darf diesen dann nicht mehr auswählen und man muss sich für ein anderes Fahrzeug entscheiden. Auch können wir nicht mit unserer gewünschten Lackierung fahren, nein, das Spiel selbst bestimmt dieses. Warum?

Assetto Corsa

Jetzt könnte man ja meinen, öffentliche Lobbys, welche von Kunoz gehostet sind, das dürfte stabil laufen, wird leider eines Besseren belehrt. Die Online Sitzungen laufen aber alles andere als rund und flüssig. Mitunter kann es passieren, dass die Fahrzeuge wie wild vor unserem eigenen Fahrzeug, hin und her springen und das selbst, wenn uns das Spiel signalisiert, das mit dem Ping alles im grünen Bereich ist.

Auch das automatische Wechseln von einer Trainingssitzung in die Qualifikation oder ins Rennen, beherrscht das Spiel nicht. Nein, nach Beendigung des Trainings oder der Qualifikation, muss man erst auf Verlassen gehen und dann den Punkt Fahren auswählen. Tut man das nicht, sieht man zwar den Start aber das Feld gleichzeitig an einem vorbeiziehen. Wer hat sich denn diese Vorgehensweise nur ausgedacht?

Assetto Corsa bezeichnet sich selbst als „Your Racing Simulator“ auch auf den Konsolen. Aber so ganz überzeugen kann das Spiel derzeit nicht. Es gibt einfach noch zu viele Baustellen, die uns den den Spielspaß rauben.

Assetto Corsa

Assetto Corsa - [Xbox One]
  • 505 Games
  • Videospiel
  • Deutsch

24 KOMMENTARE

  1. Wer die PC Version kennt, hätte keine so großen Erwartungen gehabt. Seit Jahren, ja sogar seit dem Vorgänger, eine Physik Beta Demo.

    Für die Bemerkung wurde ich bei Kunos sofort geblockt. Versucht mal auf der Kunos FB Seite negative Kommentare zu finden ?

    Ich würde mein Geld zurück verlangen.

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